Wenn Kopf und Herz uneins sind, dann gewinnt das Herz.
Günter Funke

Innerer Dialog zur Selbstklärung


Um sich seiner inneren Abläufe, der Unterschiede zwischen frei verfügbaren flexiblen und festgelegten, eher blockierenden Anteilen, Gefühls- und Gedankenmustern bewusst zu werden, ist der innere Dialog äußerst hilfreich. Er ist besonders gut als hilfreicher Ersatz für kreisende oder oft wiederkehrende Gedanken und Gefühle geeignet.

Der innere Dialog kann schriftlich, laut gesprochen oder in Gedanken erfolgen. Zu Beginn kann auch der Berater teilweise anstelle der Klientin mit einem oder mehreren inneren Anteilen sprechen. Dies kann aber nur kurzfristig als Beispiel geschehen, damit die Klientin einen möglichen Eindruck von der Art und Weise solch eines Dialogs bekommt. 

Zuständigkeit der inneren Anteile

Für die inneren Anteile ist es wichtig, durch die Klientin im Außen vertreten zu werden, denn das Innenleben braucht einen zuverlässigen Schutz. Die Klientin trägt die Fragen des Beraters nach innen und gibt die Antworten der inneren Anteile nach außen.

Dadurch können die inneren Anteile lernen, dass sie innen zuständig sind, gesehen und akzeptiert werden. Desweiteren können sie lernen, dass die Klientin für das Außen zuständig ist und weiß, wann aufmerksames Eingehen auf die inneren Anteile möglich ist und wann nicht.

Umgang mit inneren Anteilen

Der innere Dialog kann mit allem, was sich in einem Menschen regt, geschehen. Wichtig sind dabei unbedingte Akzeptanz und Wertschätzung des inneren Anteils oder liebevolle Zuneigung, egal ob man den Anteil mag oder nicht.

Dadurch, dass der Anteil gesehen wird und sein darf, tritt häufig eine Entspannung ein, die Wohlwollen auf Seiten des Anteils und der Klientin erzeugt.

Hilfreiche Wirkungen des inneren Dialogs

Durch die Entspannung und das zunehmende Wohlwollen mit sich selbst nehmen die von innen zugelassenen Entscheidungs- und Handlungsmöglichkeiten zu.

In vielen Fällen wächst auch die Zufriedenheit, da durch die inneren Kontakte und Erkenntnisse die Selbstkompetenz und die Selbstwirksamkeit gesteigert wird. Mit der Zeit kann das Selbstvertrauen zunehmen, da durch den inneren Dialog die Möglichkeit gegeben ist, sowohl konstruktiv als auch liebevoll mit sich selbst umzugehen.

Der innere Dialog ist auch deshalb hilfreich, weil er im Hier und Jetzt stattfindet. Alle Regungen und Gefühle äußern sich aktuell. Auch wenn es Gefühle aus der Vergangenheit sind, so sind die augenblicklich aktiv und damit aktuell. Ansonsten hilft der innere Dialog über vergangene Erlebnisse und Gefühle zu sprechen, ohne zur emotionalen Überflutungen zu führen, denn der innere Anteil ist meist eine Art Puffer zwischen überbordenden Gefühlen und der Klientin.

Lerne mit deinen negativen Gefühlen so umzugehen, wie mit einem verletzten Kind.
unbekannt

Innere Kinder

Ein besondere Form des inneren Dialogs ist die Arbeit mit dem (oder den) Inneren Kind(ern). 

Entwicklung und Prägungen in der Kindheit

Von der Zeugung bis zur Pubertät verläuft die kindliche Entwicklung weitgehend in Abhängigkeit von den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten. In dieser Abhängigkeit finden
  • durch Prägung und Erziehung,
  • durch positive und negative Vorbilder und
  • in lehrenden Institutionen Anpassungen an die Außenwelt statt,
die sich emotional, seelisch und mental in der kindlichen Persönlichkeitsentwicklung niederschlagen.

Verletzungen oder Schockerlebnisse oder anhaltende Abwertungen führen dann, wenn eine positive lebensfördernde Verarbeitung nicht stattfinden kann, zu einer Art Erstarrung im Fühlen von nicht abschließend verarbeiteten Erlebnissen. Damit wird das Überleben des Kindes gewährleistet.

Diese Erstarrung wird meist ins Unbewusste verschoben, damit die schmerzlichen Erfahrungen das weitere Leben nicht gefährden. Im Unbewussten entsteht durch fast jede Erstarrung ein Frühwarnsystem für ähnliche Situationen, die den Verletzungs-/Schockerlebnissen nach sehr individuellen Kriterien entsprechen. Das Frühwarnsystem löst bei ähnlichen Situationen automatisierte Einschätzungen und Reaktionen aus, die weitere Verletzungen verhindern sollen. Dies lässt sich in solchen Situationen i. d. R. nicht bewusst erfassen und verändern.

Umgang mit Verletzungen innerer Kinder

Durch die Arbeit mit dem (oder den) Inneren Kind(ern) kann mit sehr viel Geduld und liebevoller Hinwendung ein Zugang zu solch verletzenden Erfahrungen ermöglicht werden.

In kleinen, manchmal kleinsten Schritten kann die abgebrochene Verarbeitung beendet werden und die jetzige Erwachsene kann gemeinsam mit dem Inneren Kind neue andere Erfahrungen machen oder evtl. imaginative Erlebnisse mit hilfreichem Ausgang schaffen.

Hilfreiche Wirkungen der Arbeit mit inneren Kindern

Der Kontakt zum Inneren Kind generell, auch ohne die Verarbeitung früherer Verletzungen, zu einer verbesserten Gefühlswahrnehmung führen. Das Verständnis für nicht zweckgebundene Gefühle und Bedürfnisse kann zunehmen und als bereichernd erlebt werden. Die Selbstregulation kann sich verbessern. Das Gefühlsleben kann reichhaltiger und erfüllender erlebt werden. Aus überbordenden Gefühlen können sanftere und ruhigere Gefühle werden. Die Klarheit über das eigene Gefühlsleben kann stark zunehmen.

Gefühle und Bedürfnisse, die durch Prägungen und Glaubensmuster gesteuert werden, können zurückgehen. Stattdessen kann konkretes Gefühlserleben im Hier und Jetzt zunehmen, d. h. ein Gefühl kommt, drückt sich stark aus und flaut natürlicherweise schnell wieder ab.

Beim aktiven Einbeziehen des Inneren Kindes in das gesamte Leben können in der Kindheit schwach ausgeprägte Entwicklungen nachentwickelt werden. Im Laufe der Zeit kann sich das Innere Kind zu einem individuellen und auch weisen inneren Ratgeber entwickeln, der dem Erwachsenen mitteilt wie es innen aussieht und welche Richtung bzw. welches Handeln aus der Innenperspektive wünschenswert oder notwendig ist.


Komm in mein' Arm, lass es raus.
Glaub mir, ich war wo du bist und weiß was es mit dir macht.
Doch wenn du lachst, kann ich es sehn.
Ich seh dich mit all deinen Farben und deinen Narben, hintern den Mauern.
Ja, ich seh dich.
Lass dir nichts sagen. Nein, lass dir nichts sagen.
Weißt du denn gar nicht, wie schön du bist?
Sarah Connor "Wie schön du bist", Album "Muttersprache"

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